Das System nach dem ich arbeite heißt Sexocorporel und es kommt aus Kanada. Der Begründer heißt Jean Yves Desjardins und er hat dieses Model durch viele wissenschaftliche Forschungen entwickelt und belebt.
Sexocorporel unterscheidet und untersucht verschiedene Komponenten, welche im Ausüben und Erleben der Sexualität zusammenspielen. Während die biologische Geschlechtsidentität der Zeugung fixiert wird, sind alle an der Sexualität beteiligten Komponenten Teil der menschlichen Sexualentwicklung. Sie entwickeln sich über persönliche und soziale Lernprozesse.
Die Unterteilung des letztlich Untrennbaren – der menschlichen Person – in Komponenten ermöglicht differenzierte Arbeitshypothesen. Der Sexocorporel gruppiert die Komponenten in vier Kategorien:
1. Physiologische Komponenten
2. Sexodynamische Komponenten
3. Kognitive Komponenten
4. Beziehungskomponenten
Im Sexocorporel wird für jede Komponente ein Modell sexueller Gesundheit und Funktionalität definiert. Dieses bildet das Gerüst für die Evaluation. Bei jeder Person werden als erstes die vorhandenen Fähigkeiten evaluiert, d.h. ihre Stärken. Jeder Mensch hat Grenzen in seiner Sexualentwicklung; der Sexocorporel interpretiert diese nicht im Sinne einer Pathologie. Ebenso wenig dient das Modell sexueller Gesundheit der Erzeugung neuer Leistungsnormen. Im Sexocorporel sind Grenzen nicht gleich bedeutend mit Mangel bzw. Pathologie, sondern geben dem Leben Sinn, in dem sie neue Erfahrungen anregen.
Doch nicht nur in der Sexualberatung findet das Model Anklang. Ebenso in der Sexualpädagogik ist es ein wichtiger Bestandteil. Den zur Unterstützung der Sexuellen Gesundheit muss erst einmal fest gelegt werden, wie diese definiert wird. Sexocorporel gibt hier Richtwerte, die so weitertransportiert werden können.
